Offener Brief des Netzwerk Cuba Vorstands an das Instituto Cervantes

tl_files/Bilder/logos/nwc_logo_briefkopf_neu.jpg

Instituto Cervantes

Rosenstr. 18-19
10117   B e r l i n 

Offener Brief des Vorstands an das Instituto Cervantes

11. September 2013

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großer Verwunderung und Enttäuschung hatten wir festgestellt, dass Sie am 8. Mai dieses Jahres Yoani Sánchez zu einer öffentlichen Veranstaltung eingeladen hatten. Schon in der Kurz­beschreibung der Veranstaltung wurde einseitig gegen Cuba Stimmung gemacht.

Und nun findet im Rahmen des ilb – Internationales Literaturfestivals Berlin in Ihrem Hause wiede­rum eine Veranstaltung von dezidierten Regierungs- und Systemgegnern Cubas statt: am Freitag, dem 13. September 2013 um 19:30 Uhr kommen bei Ihnen wieder exilcubanische Gäste zu öffent­licher Aufmerksamkeit. Auch hier offenbart der Programmtext, was die Intention der Veranstaltung zu sein hat: „Die Exilkubaner Jorge Luis Arzola, Amir Valle und José Manuel Prieto diskutieren den Fall des Schriftstellers Ángel Santiesteban sowie die fehlende Meinungsfreiheit.“

Uns und anderen Bürgerinnen und Bürgern Berlins scheint es gerade so, als sei das Instituto Cer­vantes zu einer Außenstelle der cubanischen „Dissidenz“, eine Propagandaplattform cubanischer Systemgegner mutiert. Ist das nur Sache einer (exil-)cubanischen Gewährsperson oder einer ideologisch verbohrten MitarbeiterIn, oder ist diese gegen Cuba gerichtete Programmpolitik die weltanschauliche Linie des Institutes bzw. die der spanischen Regierung?

Wir halten es für äußerst misslich und bedauerlich, dass sich die Vielfalt der cubanischen Literatur­landschaft in Ihrer Veranstaltung nicht abbildet, dass wesentliche Strömungen völlig ignoriert (ausgegrenzt?) werden. Raum erhalten in Ihrem Hause allem Anschein nach vorwiegend Diejeni­gen, die gegen das cubanische System lamentieren und agieren.

Von der Schweinebucht-Invasion zum Medienkrieg

Personen wie Yoani Sánchez und Amir Valle stehen mit ihrer negativen Propaganda in einer des­truktiven und menschenrechtsverachtenden Kontinuität US-amerikanischer Aktionen gegen das revolutionäre Cuba. Ob intendiert oder unintendiert sind sie Teil eine gegen das souveräne und sozialistische Cuba gerichteten und andauernden Medienkampagne. Nach der Revolu­tion 1959 schreckten konterrevolutionäre Banden selbst vor der Ermordung von der der Alphabe­tisierungskampagne beteiligter Schüler nicht zurück, die USA organisierten die Invasion von Söldnern in der Schweinebucht, unzählige Attentatsversuche gegen Führungspersönlichkeiten Cubas, CIA-geführte Terroristen wie Posada Carriles führten mit ihren Anschlägen zu vielen Toten in Kuba. Die Handels-, Wirtschafts- und Finanzblockade soll Cuba ökonomisch den Garaus machen und US-Organisationen wie USAID und NED pumpen Millionen Dollar in gegen die cubanische Revolution gerichtete Medienarbeit und in die „Opposition“.Yoani Sánchez ist der Propaganda-Star der cubano-amerikanischen Mafia in den USA und wird entsprechend bestens finanziert. Personen wie sie treffen mit ihrer anticubanischen Polemik in Deutschland auf eine Medienlandschaft, die in der Hand weniger Konzernmedien liegt und weithin antikommunistisch agiert (Linke werden entweder ignoriert oder demontiert). Hier also werden die verdrehenden bis verlogenen Äußerungen einer Frau Sánchez, der Propaganda von CIA-Vorfeldorganisationen sowie der US-Administration aufgesogen und verbreitet.

 

Zumeist vergeblich suchen wir in den konservativen Mainstreammedien oder im Programm des Instituto Cervantes etwas über die Vielfalt Cubas, vor allem werden positive Aspekte verschwie­gen: z.B. die vorbildliche Gesundheitsversorgung, der medizinische Internationalismus mit zehn­tausenden Ärzten im Einsatz in anderen Ländern („Operation Milagro“), die vorbildliche Umwelt­politik, das hohe kulturelle Niveau und die leichten Zugänge der Bevölkerung zu kulturellen Ein­richtungen, die öffentliche Sicherheit, die beispielhafte demokratische Teilhabe der Bevölkerung an der Aktualisierung des sozialistischen Wirtschaftsmodells, und das kostenlos zugängliche und vielfach preisgekrönte Bildungssystem Cubas.

Im aktuellen Kontrast dazu steht die zunehmende Armut in Europa und den USA, die unsoziale Politik, die militaristischen Aktionen, die Umweltzerstörende Lebens- und Produktionsweise. Der Kalte Krieg des konservativ-reaktionären Westens gegen progressive Alternativen (wie Cuba, Venezuela, Bolivien, Ecuador bzw. auch ALBA) wird umso vehementer und mit allen Mitteln geführt – wie durch Sprachrohre wie Yoani Sánchez, Amir Valle et al.

 

Wir, das NETZWERK CUBA e.V., sind eine seit 20 Jahren tätige Vereinigung von über vierzig Cuba-Solidaritätsgruppen in Deutschland. Aufgrund unserer langjährigen und umfangreichen Erfahrungen mit Cuba und unserer Sachkenntnis fordern wir Sie nachdrücklich auf, künftig in Sachen Cuba auch neutrale, fundierte und ausgewogene Informationen zu nutzen und entspre­chende Autorinnen und Autoren einzuladen. Erst dadurch können fruchtbare Diskurse und hin­reichend fundierte Reflexionen ermöglicht werden.

 

Wir hoffen, dass Sie unseren Anmerkungen in Zukunft Beachtung schenken werden.

Vielen Dank für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Der Vorstand

Zurück