Offener Brief des Vorstandes Netzwerk Cuba e.V.

an ARTE TV zum Film  „I Love Democracy: Kuba“

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An
ARTE TV

28. Januar 2013

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir beobachten seit Jahren, dass die in ARTE ausgestrahlten Filme über Cuba meist einseitig und negativ sind.

Abgesehen von erfreulichen Ausnahmen (z.B. „Das Mafia-Paradies – Kuba vor der Revolution von 1959“, Pfletschinger/Weymar, ausgestrahlt am 7.08.2012) wird fast immer ein naiveurozentrischer, ideologischer Standpunkt eingenommen, offiziellen cubanischen ExpertInnen wird so gut wie nie das Wort erteilt – stattdessen erfreuen sich Systemgegner und Kollaborateure einer immensen Aufmerksamkeit und glorifizierender Inszenierung.

Ein neues, erstaunlich niedriges Niveau hat nun der jüngste von Ihnen finanzierte und ausgestrahlte Film aufzuweisen: „I Love Democracy: Kuba“ (2012, 90min, ARTE F, Erstausstrahlungstermin:
Di, 15. Jan 2013, 21:37).

Zwar sind einige Sequenzen relativ realistisch, doch alleine die Aufzählung der fachlichen und sachlichen Fehler, Übersetzungsfehler, Verständnisfehler etc. würde mehrere Seiten Text erfordern. Daniel Leconte & seine beiden HelferInnen waren sichtlich überfordert und uninformiert, und vor allem waren sie von vornherein mit einem einzigen Ziel nach Cuba eingereist: negative Images aufzuspüren und zu verbreiten. Analyse, (soziologisches) Verstehen, wirtschaftspolitische Kenntnisse, kulturelle Sensibilität, sprachliche Fertigkeit, Kontextualisierungsvermögen, historische Einordnung, regionale Vergleichsfähigkeit etc. scheinen ihr Metier nicht zu sein. Aber die Investition in einen solchen Film über – bzw. gegen – Cuba dient ja offenbar lediglich dem ideologischen Kalten Krieg á la US-Imperium gegen Cuba und nicht dem Verstehen von „Anderem“.

Dass die Macher des Films gleich zu Beginn unverblümt ihre ideologische Einseitigkeit zum Besten geben und zum Ziel erklären, ist ehrlich – aber es beweist, dass es keineswegs eine "Dokumentation" sondern ein sehr subjektiver (und zudem dummer) Kommentar "gegen" Cuba ist.

Unverschämt und kriminell ist zudem, dass diese Filmcrew und ARTE dieses Machwerk "illegal" fabrizierten – sie hatten dafür keine Filmgenehmigung! Es scheint, dass beim Thema Cuba sämtliche journalistischen Standards und ethischen Prinzipien ignoriert werden. Schließlich: dass so etwas auf ARTE gezeigt wird, ist enttäuschend - passt aber zu der zunehmenden Kommerzialisierung und Trivialisierung nicht nur dieses Senders. Das wiederum zeigt, wie stark, mächtig, hegemonial, imperialistisch unser schöner Kapitalismus ist. Na, und das wiederum lässt erahnen, welche Macht Kuba darstellt, dass es bislang allen solchen Anfeindungen, geheimdienstlichen Attacken/Anschlägen und der Blockade insbesondere der Weltmacht USA widerstanden hat.

Wir, das NETZWERK CUBA e.V., sind eine seit 20 Jahren arbeitende Vereinigung von 43 Cuba-Solidaritätsgruppen in Deutschland. Aufgrund unserer langjährigen und umfangreichen Erfahrungen mit Cuba und unserer Sachkenntnis fordern wir Sie nachdrücklich auf, sich künftig auch in Sachen „Cuba“ auf faire, fundierte und ausgewogene Informationen zu beziehen und gebührende Sorgfalt walten zu lassen. Andernfalls enthalten Sie uns ZuschauerInnen zu viele wesentliche Aspekte der komplexen gesellschaftlichen Verhältnisse Cubas vor – gerade auch die interessanten und positiven.

Wir empfehlen Ihnen beispielsweise folgende Filme zu zeigen (die in der deutschen und französischen Medienlandschaft ignoriert bzw. blockiert werden), wenn anderen ARTESeherInnen tatsächlich eine fremde und vielgestaltige Gesellschaft wie Cuba näher gebracht werden soll:

· „The Power of Community. How Cuba survived Peak Oil“ (Faith Morgan, USA/Cuba 2006, www.powerofcommunity.org)

· „Zucker und Salz“ (Tobias Kriele, BRD/Cuba 2010, http://zucker-und-salz.eu/)

· “Will the real terrorist please stand up?” (Saul Landau, USA/Cuba 2008, http://www.cinemalibrestore.com/edu/real_terrorist.html)

· “José Martí – Das Auge des Kanarienvogels“ (Fernando Pérez, Cuba 2010, http://www.fgbrdkuba.de/cl/cltxt/cl2010325-das-auge-des-kanarienvogels.html)

Unsere Frage an Sie: weshalb vermeiden Sie in Ihrem Sender die Ausstrahlung ausgewogener, hochwertiger und interessanter Filme über Cuba, wie beispielsweise die oben genannten?

In der Hoffnung auf Ihre Aufgeschlossenheit und Ihren Pluralismus – und eine Replik mit freundlichen Grüßen

Vorstand des Netzwerks Cuba
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