Von Edgar Göll
Washington.
Ein US-amerikanischer Sicherheitsberater und ehemaliger
Regierungsmitarbeiter hat die Führung in Washington zu einer Revision
der Kuba-Politik aufgefordert. In einem Beitrag
in der Tageszeitung Miami Herald Tribune enthüllt der Autor Fulton
Armstrong zudem zahlreiche Details zur Politik der Regierung von
Präsident Barack Obama gegenüber Kuba. Diese Linie müsse überdacht
werden, so Armstrong.
Der
Autor war im US-Sicherheitsrat unter Präsident Clinton (1993-2001) für
Kuba zuständig und danach Nachrichtendienstexperte im außenpolitischen
Ausschuss des US-Senats. In dieser Funktion beobachtete er für seine
Abgeordneten die Aktivitäten des Außenministeriums und der
Entwicklungshilfebehörde USAID in lateinamerikanischen Staaten.
In
der Miami Herald Tribune schreibt er dazu: "Die Kuba-Programme, die
eingerichtet wurden, um Kubaner zu identifizieren, zu trainieren und zu
mobilisieren, damit sie einen politischen Wandel in Kuba einfordern,
stellen ein besonders problematisches Erbe dar, weil auch Veruntreuung,
Missmanagement und systematische parteipolitische Überfrachtung dazu
gehören." Einige dieser US-Programme hätten viele Millionen US-Dollar
gekostet. Die Effekte dieser Programme, etwa zur Schaffung von
"unabhängigen Bibliotheken" in Kuba seien von US-Behörden jedoch völlig
übertrieben dargestellt oder gar geschönt worden. Obwohl die dafür
vorgesehenen Geldmittel binnen weniger Jahre von 20 Millionen auf 45
Millionen US-Dollar angestiegen seien, erhielten die Abgeordneten keine
hinreichenden Unterlagen von ihrer Regierung.
Darüber hinaus äußert sich Armstrong zu weiteren Details des Falls von Alan Gross,
einem USAID-Mitarbeiter, der vor einem Jahr zum wiederholten Mal mit
Touristenvisum nach Kuba eingereist war, um an Regierungskritiker
High-Tech-Geräte zu verteilen. Im Gepäck hatte Gross W-Lan-Geräte,
Telefon- und Verschlüsselungsausrüstung sowie Zubehör für
Satellitenkommunikation. Er wurde verhaftet und zu einer mehrjährigen
Gefängnisstrafe verurteilt.
Andere
USAID-Mitarbeiter würden in Kuba ähnliche Aktionen durchführen,
schreibt Armstrong, der von einem Finanzvolumen von fast 600.000
US-Dollar ausgeht. Inzwischen gebe es vergleichbare US-Projekte selbst
für kubanische Kinder ab zwölf Jahren. Der US-Experte zieht den Schluss:
"USAID hat sich zu einem Under-Cover-Krieger entwickelt, um gegen die
USA eingestellte Regierungen weltweit zu unterminieren – ohne den
gleichen Verantwortlichkeiten wie die Geheimdienste zu unterliegen." Es
sei daher höchste Zeit, die US-Programme, die zu einem Systemwechsel in
Kuba führen sollen, zu überdenken.
Tatsächlich
belegen auch weitere jüngst bekannt gewordene Ereignisse, dass unter
Präsident Obama die Aktivitäten der US-Regierung gegen Kuba weiter
durchgeführt werden, wenn auch diskreter als unter seinem Amtsvorgänger
George W. Bush. So verhinderte die US-Regierung
jüngst unter Verweis auf die Blockadegesetze dem Hilton-Hotel im
Karibikinselstaat Trinidad die Durchführung eines Gipfeltreffens
zwischen Kuba und dem karibischen Regionalverband CARICOM. Die 15
Staatsoberhäupter, fast alle mit guten Beziehungen zur US-Regierung,
gaben ihrer Empörung darüber in einem Protestschreiben öffentlich Ausdruck.
amerika21.de – 30. Dezember 2011