„Wenn Hilfsorganisationen, Behörden oder die Uno im Kampf gegen
die Cholera in Haiti mehr Ärzte und Krankenschwestern brauchen, rufen
sie nicht in Washington oder Brüssel an, sondern in Havanna.“ So steht
es im aktuellen Spiegel zu lesen. Es wird ausdrücklich das kubanische
Engagement in der medizinischen Zusammenarbeit mit anderen
Entwicklungsländern gewürdigt und gleichzeitig aber auch auf die
ideologische Verbohrtheit des Westens hingewiesen, wenn es darum geht,
dieses Engagement finanziell zu fördern. Niebel spricht ja gerne von
trilateraler EZ und von Süd-Süd-Kooperation. DIE LINKE wirbt dafür, die
erfolgreiche Süd-Süd-Kooperation Kubas mit anderen lateinamerikanischen,
afrikanischen und asiatischen Ländern zu unterstützen. Norwegen hat es
vorgemacht, als es nach dem Erdbeben in Haiti die kubanischen
Ärztebrigaden finanziell unterstützt hat, die dort seit vielen Jahren
arbeiten und die wichtiger Anlaufpunkt für HelferInnen aus aller Welt
waren.
Voraussetzung dafür ist, endlich vom unsäglichen
sogenannten Gemeinsamen Standpunkt der EU zu Kuba abzurücken. Die EU
braucht einen neuen Ansatz, eine echte Kooperation mit diesem Land, das
für den Aufbruch in Lateinamerika, für die sozialen und demokratischen
Fortschritte und für die Integrationsprozesse dort eine wichtige Rolle
spielt. Kuba ist nicht mehr der isolierte Paria-Staat. Das heißt nicht –
heißt es ja übrigens auch nicht in der Zusammenarbeit mit anderen
Ländern –, dass die EU die Augen verschließen soll, wenn bürgerliche
Freiheitsrechte verletzt werden. Das heißt aber durchaus, dass der
Einsatz Kubas für die Verwirklichung wirtschaftlicher, sozialer und
kultureller Rechte anerkannt und auch unterstützt wird.
Die EU
kooperiert mit Ländern wie Mexiko und Kolumbien, in denen Journalisten
und Gewerkschafter ihres Lebens nicht sicher sind, wo im Drogenkrieg und
bei der sogenannten Aufstandsbekämpfung Tausende ihr Leben lassen. Aber
mit Kuba wird nicht kooperiert, weil sich das Land beharrlich weigert,
sich dem Kapitalismus preiszugeben. Für diejenigen, die in Kuba
politische Repression erleiden, verbessert sich durch die
Blockadehaltung der EU und der Bundesregierung nichts. Wo hingegen
respektvoll verhandelt wird, können Verbesserungen erreicht werden, wie
das Beispiel der spanischen Bemühungen vor einem guten Jahr gezeigt hat.
Dass
die EU und die Bundesregierung mit zweierlei Maß an das Thema
Menschenrechte und Kuba herangehen, zeigt sich auch im Umgang mit den
fünf Kubanern, die seit 1998 in den USA gefangen gehalten werden.
Antonio Guerrero Rodríguez, Fernando González Llort, Gerardo Hernández
Nordelo, Ramón Labañino Salazar und René González Sehwerert hatten
exilkubanische Terrorgruppen in den USA infiltriert, um Attentate auf
ihr Land zu verhindern. Dafür gebührt ihnen höchster Respekt. Die
US-Justiz hat sie indes unter dem Vorwurf der Spionage zu hohen
Haftstrafen verurteilt. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie
sich für die Freiheit der fünf einsetzt. Aber wir erkennen keinerlei
Bemühungen. Dabei bestätigen weltweit Menschenrechtsorganisationen und
auch die UNO, dass Verhaftung, Prozessverlauf und Haftbedingungen
rechtsstaatlichen Standards völlig entgegenliefen. Seit Jahren dürfen
z.B. die Ehefrauen ihre Männer nicht im Gefängnis besuchen.
Wir
freuen uns, dass René González Sehwerert nun zumindest aus dem Gefängnis
entlassen wurde. Dass er allerdings nach wie vor die USA nicht
verlassen und nicht in sein Heimatland ausreisen darf, ist nicht
hinnehmbar und eine Verlängerung dieses unfassbaren Justizskandals. Die
Bundesregierung will ihre internationale Politik an den Menschenrechten
ausrichten? Hier hätte sie etwas zu tun.
Die Fraktion DIE LINKE
fordert gemeinsam mit vielen Menschen weltweit: Freiheit für Antonio
Guerrero Rodríguez, Fernando González Llort, Gerardo Hernández Nordelo
und Ramón Labañino Salazar und die freie Ausreise für René González
Sehwerert!
Heike Hänsel (MdB)