MAHNWACHE VOR US-BOTSCHAFT IN BERLIN

In Berlin fand am Samstagmittag über drei Stunden hinweg bei bestem Sonnenwetter eine Mahnwache vor der US-Botschaft am Brandenburger Tor statt. Mit Lautsprecheranlage, etwas Life-Musik, Infostand und durch Infoblattverteilungen konnten die Aktivistinnen und Aktivisten aus mehreren Berliner Soli-Gruppen zahlreiche Passanten und Touristen über den skandalösen Fall "Cuban5" und die "Spitzenaktion" informieren. Wegen der zahlreichen ausländischen Flaneure werden wir künftig Infoblätter in mehreren Sprachen vorhalten. Der "Käfig" mit den Cuban5 sorgte wieder für besondere Aufmerksamkeit und war Anlass für etliche Nachfragen und Gespräche. Wie von Antonio vorgeschlagen, haben wir gelbe Bänder vorbereitet und verteilt: dies hat sich in den USA, dem Land in welchem die Cuban 5 vor Terrorismus schützen wollten, verhaftet, verurteilt und eingesperrt wurden, eine besondere Tradition. Ausgehend von einem Foksong ("tying a yellow ribbon round the old oak tree") wird damit die Rückkehr von Freunden zum Ausdruck gebracht. In Berlin wird dem US-Botschafter - der am Wochenende "frei" hatte - ein Offener Brief des Vorstands zur Freilassung der Cubaner aus US-Gefängnissen zugestellt werden.

Zur Mahnwache mit gelben Schleifen

Am Brandenburger Tor, gegenüber der US-Botschaft war der Käfig aufgebaut, aus den Mikrofonen kamen cubanische Klänge und live-Musik von Tobias Thiele. Noch während überall gelbe Schleifen angebracht und der Infotisch aufgebaut wurde, kam man mit den Passanten ins Gespräch, die an diesem sonnigen Samstag schon ab dem Vormittag zahlreich unterwegs waren. Hier, an diesem Ort, sind es überwiegend Hauptstadttouristen, die vom Käfig angelockt werden, die daran befestigten Texte lesen und Informationen über den Fall der Cuban 5 mitnehmen. Ebenso gefragt sind an diesem Tag auch die Erklärungen für die gelben Schleifen und Bänder. Der Brief an das amerikansiche Volk von Annie Arroyo, der Aufruf von René und das Gedicht von Antonio – im Original und in der deutschen Übersetzung -  werden nicht nur am Ort der Mahnwache gelesen. Sie liegen auch zum Mitnehmen bereit.      

 Zu dieser Mahnwache vor der US-Botschaft am Brandenburger Tor hatte das Netzwerk Cuba – informationsbüro – e.V.  aufgerufen, um für die Freilassung der Cuban 5 zu demonstrieren. Sie reiht sich in die anlässlich des 15. Jahrestages der Verhaftung der fünf Cubaner stattfindenden internationalen Solidaritätsaktionen ein.  Auf den skandalösen Fall der „Cuban 5“ aufmerksam zu machen, auf die langen Haftstrafen und die ummenschlichen Behandlungen hinzuweisen, ist nach wie vor eine Aufgabe von Solidaritätsgruppen mit Cuba. Die Mahnwache vor der US-Botschaft hat dies bestätigt. Vielen kennen die Zusammenhänge nicht, andere empören sich über die 15 Jahre  oder meinen gar, Obama hätte sie begandigt. Da dies nicht geschehen ist, möchten auch sie sich den Worten des US-amerikanischen Schauspielers Danny Glover anschließen, der den Präsidenten auffordert „von Amts wegen Milde gegenüber den fünf Kubanern weilen zu lassen“.

Redebeitrag der SDAJ

Liebe Freundinnen und Freunde, queridos companeros y companeras.
Wir schicken euch viele solidarische Grüße und möchten euch versichern, dass wir euren Kampf für die Befreiung der Fünf unterstützen!
Fünfzehn Jahre saßen Gerado, Fernando, Antonio, Ramón und René unrechtmäßig hinter amerikanischen Gittern. René durfte im Februar, nach Absitzen seiner Strafe wieder nach Cuba zurück, die anderen vier sind zu weitaus mehr Jahren verurteilt. „Ich werde erst frei sein, wenn meine vier anderen Genossen auch frei sind“, sagt René. Dafür kämpft René in seiner Heimat weiter und auch wir unterstützen diesen Kampf von hier aus.
Wir als SDAJ haben in den letzten 10 Wochen erleben dürfen welchem Druck Cuba ausgesetzt ist. Zwei Solidaritätsbrigaden haben in den letzten Monaten auf Cuba gelebt und gearbeitet. Zusammen mit cubanischen Jugendlichen haben wir an der CUJAE in Havanna das „Zentrum zur Bildung revolutionärer Werte“ aufgebaut. Zweck und Ziel des Zentrums ist die Koordination der Solidaritätsarbeit von weltweiten Unterstützergruppen der „los cinco“ und die Sammlung aller Informationen zum Fall. Durch den Aufenthalt auf Cuba ist uns die Wichtigkeit des Falls wieder und wieder klar geworden: Es handelt sich bei den Fünfen nicht nur um politische Gefangene, sie sind ein Symbol der Unrechtmäßigkeiten der USA gegenüber Cuba.
Wenn wir uns erinnern: Die Fünf sammelten Material und wollten Terrorpläne aufdecken, dafür sitzen sie in einem Land, dass sich als Vorreiter des Kampfes gegen den Terror sieht, im Gefängnis. Zu Höchststrafen, die von unabhängigen Organisationen als absolut unangemessen angesehen werden.
Somit stehen die Fünf nicht nur als Symbol für die Klassenjustiz der USamerikanischen Gerichte, sondern auch, wie uns unsere cubansichen Genossen sagten, für die Verteidigung Cubas: „Für die Cubaner sind die Fünf ein Vorbild
im Kampf für eine bessere Welt. Wenn sie all diese Jahre den schlimmsten Bedingungen widerstehen konnten, wie werden wir dann nicht die Härte der Blockade oder der Krise überstehen? Das ist meiner Meinung nach das
Wichtigste an den Fünf. Sie sind ein Motiv der Inspiration jedes Mal, wenn wir einen Brief oder eine Erklärung von ihnen hören.“
Wir hatten auf Kuba auch die Möglichkeit angehörige der Fünf kennenzulernen, unter ihnen Ramóns Tochter Ailí. Sie erzählte uns, dass sie mittlerweile ein Alter erreicht hat in dem sie mehr Zeit die Tochter eines Gefangenen als die Tochter eines freien Mannes gewesen sei. Sie hat ihren Vater kaum besuchen dürfen, unzählige Visa beantragt, die immer wieder von den USA abgelehnt wurden. Sie sagte uns aber auch, dass unsere erste Brigade, die wir „Los cinco“ genannt haben, ihr Hoffnung macht. Genauso wie Aktionen heute und hier, ihr Hoffnung
machen.
In diesem Sinne beteiligte sich die SDAJ am Donnerstag auch an der sogenannten „Spitzenaktion“. In Anlehnung an eine lateinamerikanische Tradition bestieg eine Gruppe aus Deutschland und Österreich die Zugspitze,
um am 15. Jahrestag der Festnahme der Fünf ihre Solidarität mit ihnen auszudrücken und Öffentlichkeit für den Fall zu schaffen.
Wie wichtig unsere Solidarität ist, hat uns insbesondere das Treffen der zweiten Brigade mit Jorjito klargemacht, einem jungen kubanischen Blogger und Protagonisten des Nachfolgefilms von „Zucker und Salz“, der sich insbesondere für die Befreiung der Fünf einsetzt. Auf seinem Blog schreibt er: „Es ist erwiesen, dass der Fall nicht auf legalem Weg gelöst werden wird. Die Schlüsselwörter sind stattdessen weltweite Solidarität und die Beeinflussung der öffentlichen Meinung in den USA.“ Was Jorjito schreibt, zeichnet uns den Weg vor, den wir für die Befreiung der Fünf gehen müssen – den politischen Druck durch Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen weltweit zu erhöhen.


Los cinco volverán! VIVA CUBA SOCIALISTA!


Dankeschön

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